Aus dem Gemeindeleben

Das Wunder der Weihnacht - 

Stallweihnacht in Siegelsbach am 23. Dezember 2021


Viele Menschen, Große und Kleine, kamen am 23. Dezember zu der Stallweihnacht auf den Hof der Familie Wemmer. Liebevoll vorbereitet waren Scheune und Hof, der Tannenbaum war geschmückt und Lichter und gute Gedanken schenkten den Besuchern auch bei nasskaltem Wetter ein bißchen Wärme und Gemütlichkeit und stimmten ein auf den Heiligen Abend. Am Bild der Wunderkerze wurde klar, dass es nicht viel braucht, um aus einer kalten, tristen, grauen Masse etwas Faszinierendes, Sprühendes, Leuchtendes zu machen...

Schaue dir den Draht der Wunderkerze an.
Ein Stück Draht, aus Metall.
Der Draht ist biegsam und fühlt sich zunächst kalt an. Nach einer Zeit nimmt der Draht Wärme auf.
„Einen guten Draht zu jemanden haben“- so sagt ein Sprichwort, meint, sich gut zu verstehen und einen guten Kontakt zu haben.
Danke, dass wir in unseren Kirchengemeinden so einen guten Draht zueinander haben.
Schau dir die graue Masse der Wunderkerze an.
Die graue Masse- ein Gemisch aus Kartoffelstärke, Mehl, Klebstoff und giftigen Stoffen wird zu einer großen Masse zusammengerührt.
Der Draht muss vorher angeraut werden, damit die Masse daran haften bleibt.
Ich freue mich sehr darüber, dass es uns gemeinsam immer besser gelingt, unsere Gemeinden zu einem Ort werden (oder bleiben) zu lassen, wo Menschen Gefühle zulassen dürfen, sich zuhause fühlen können.
Zünde eine Kerze/ein Feuerzeug oder ein Streichholz an und schaue dir die Flamme an.
Aus einer kleinen Flamme, kann ein großes Feuer entstehen. Es ist gemütlich, faszinierend, aber auch erschreckend.
Die Flamme kann Dunkel erhellen und Wärme verbreiten, aber auch Katastrophen auslösen.
Gott hat uns Menschen anbefohlen, in deren Leben wir Licht und Wärme bringen sollen. Und gleichzeitig brauchen wir selber genau solche Menschen auch. Danke für jedes gute Wort, das Hoffnung weckt und tröstet.
Entzünde nun die Wunderkerze.
Ohne eine kleine Flamme, die die Wunderkerze ansteckt, zum Glühen und Funken sprühen bringt, wäre die Wunderkerze nur ein Draht und eine graue Masse.
Die Wunderkerze sieht auf den ersten Blick auch nicht gerade gut aus. Die Farben sind kalt, grau und trist, nicht jedermanns Geschmack.
Durch einen kleinen anzündenden Moment verwandelt sich das graue kalte Objekt in einen Moment der Faszination. Die Wunderkerze beginnt zu brennen, sie sprüht Funken, sie fliegen umher, sie verteilen sich. 
Die Wunderkerze lässt die Umgebung aufleuchten, es fühlt sich an, als bliebe die Zeit stehen.
Gott kommt in unsere Welt. In einem kleinen, unscheinbaren, tristen Stall.
Gott kommt in meine Welt. Will da geboren werden, wo ich mich selber grau und unscheinbar fühle. 
Wo mir schmerzlich bewusst wird, was mir fehlt, worüber ich traurig bin. Welche Fehler ich gemacht habe und immer wieder mache - und wie gerne ich die Gedanken daran verdränge.
Gott kommt in meine Welt. Und zündet ein Licht der Hoffnung an. Ganz klein vielleicht. Aber so stark, dass ich mich davon anstecken lassen kann. Selber Funken sprühen kann der Freude, der Liebe, des Friedens.
Gott kommt in meine Welt und hilft mir, Frieden zu schließen mit mir selber.
Mit denen, zu denen ich den Draht verloren habe oder noch nie gefunden habe.
Frieden mit sich selbst.
Damit wir alle eins sein können.
Frei und selbstbewusst unser Leben gestalten.
Wir sind Protestleute gegen den Tod.

Rückblick ...

Ernte Dank - Gott sei Dank

Danken:
Für die Früchte der Erde,
von denen wir leben.
Es ist genug für alle da.
Denken:
Wir haben viel mehr,
als zum Leben notwendig ist.
Es ist genug für alle da.
Tun:
Teilen mit denen,
die hungern müssen.
Es ist genug für alle da.

Danken:
Für den Wohlstand,
in dem wir leben.
Es ist genug für alle da.
Denken:
Unser Reichtum an Gaben
bedeutet Verantwortung.
Es ist genug für alle da.
Tun:
Teilen mit denen,
die in bitterer Armut leben.
Es ist genug für alle da.

Verantwortlich

Ich bin verantwortlich für mich,

für das, was ich tue und unterlasse

für das, was ich sage und verschweige

für das, was ich bewirke und verhindere.

Nicht meine Gene sind verantwortlich

für meine Entscheidungen

nicht meine Eltern oder andere Menschen,

nicht meine Vergangenheit,

nicht die Umstände.

Ich selbst verantworte

mein Leben, meine Ziele,

und die Wege, die ich einschlage.

Ich bin verantwortlich für mich.

Ich bin nicht verantwortlich

für dein Tun und Lassen,

für dein Reden und Schweigen,

für deine Entscheidungen.

Aber ich bin verantwortlich,

wenn es mir auf deine Kosten gut geht,

wenn deine Armut meinen Wohlstand ermöglicht,

weil dir meine Lasten aufgebürdet werden,

wenn meine Rechte deine Rechte beschneiden,

wenn meine Freiheit mit deiner Unfreiheit erkauft wird.

 

Genesis 1,26-31

26 Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei, die da herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über die ganze Erde und über alles Gewürm, das auf Erden kriecht. 27 Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau. 
 28 Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht.

 

Die Schöpfungsgeschichte der Bibel stellt die Erschaffung des Menschen nicht an den Anfang, sondern an ihr Ende. 

Der Mensch ist Teil der Schöpfung und kann sich nicht über sie als einsamer Herrscher erheben. 
 Nur wenn er ihr Teil und damit ihr Hirte bleibt, erfüllt er den Auftrag Gottes.

Gott gibt den Menschen einen Auftrag ohne jede Vorbedingung.

Im Gegenteil, die Welt ist so geschaffen, dass uns Menschen buchstäblich alle Möglichkeiten gegeben sind.

Alle, bis auf eine.

Nämlich selber so zu sein wie Gott.

Aber genau das wollen wir doch nur zu gerne.

Und meinen, wir könnten alles erreichen, es ginge immer aufwärts, wir müssten auf nichts verzichten, und der ganze Spaß würde uns nicht einmal etwas kosten.

Und wenn doch, könnten wir uns von jeder Schuld freikaufen.

Wer so denkt und redet, ist kein guter Hirte, sondern führt sein Volk in die Irre.

Aber obwohl oder vielleicht gerade weil wir immer wieder in die falsche Richtung laufen: Gott gibt uns Menschen eine zweite Chance.

Gott selber stellt den ursprünglichen Zusammenhang wieder her, nicht wir.

Gott macht uns allen zu Hirten, zu Dienern seiner Schöpfung.

Genauso wie er selber herrscht.

Wir sind Gottes Ebenbild auf der Erde.

Herrschaft, also Hirtensorge, die Hingabe, Mitleid und Verzicht nicht kennt, läuft ins Leere und zerstört am Ende die eigene Grundlage.



Ihr Pfarrer Daniel Fritsch

Impulsweg zu Psalm 23

Offene Kirche in Siegelsbach

 

An Pfingstsonntag ist die Siegelsbacher Kirche für Sie von 14.30 Uhr bis 16.30 Uhr zum persönlichen Gebet geöffnet.

Herzliche Einladung!

Pfingsten - was feiern wir da eigentlich?

Nur noch eine Woche bis Pfingsten


„Gut verteilt über das Jahr gibt es viele schöne Feste,
und die meisten denken, Weihnachten wär' das Beste.
Und auch Ostern ist im Allgemeinen sehr beliebt.
Doch ich weiß, dass es da etwas Besseres gibt.
Nur ich weiß nicht so recht, wann genau das ist
und ich weiß eigentlich nicht, was der Grund dafür ist.
Nur irgendwas hat's mit dem heiligen Geist zu tun;
die Details haben wir vergessen, doch wir sagen euch nun:
Es geht um Pfingsten, unser Lieblingsfest,
denn im restlichen Jahr sind wir genug gestresst.
Doch jetzt ist Pfingsten, und die Bäume blühen,
und zu Pfingsten muss man sich um nichts bemühen.
Und es gibt keine Geschenke, keine Ostereier,
keinen Weihnachtsbaum, keine Familienfeier,
keine Pfingstenlieder, außer diesem hier,
keinen Pfingstenbraten und kein Pfingstenbier.
Es gibt nur blöde Bräuche, die kein Mensch braucht:
die interessieren uns nicht, wozu denn auch.
Denn der Grund warum man Pfingsten liebt
ist, weil Pfingsten sich so bescheiden gibt.“
(Songtext: Christoph & Lollo)

Bescheiden ist dieses Pfingsten bis heute geblieben, und wird von vielen völlig übersehen. Denn es ist ja auch nicht viel passiert, damals. Außer dass ein paar Leute ihre Angst vor den Reichen und Mächtigen überwunden haben. Und anfingen, voller Überzeugung öffentlich davon zu reden – und zu handeln – dass Gemeinschaft möglich ist. Alle haben die gleichen Rechte, alle tragen die gleiche Würde. Niemand macht sich über den anderen lustig oder lebt auf Kosten anderer.

Im Gegenteil: jeder hilft dem anderen, wo er nur kann und nimmt sich selber nur das,
was er zum Leben braucht.

Völlig mühelos, stressfrei und bescheiden.

Weil Gott selber dazu hilft.

Mal angenommen, das geschieht tatsächlich auch heute noch:
wäre das nicht Grund genug, dass Pfingsten auch eines unserer Lieblingsfeste wird?

Ihr Pfarrer Daniel Fritsch